Haslach liegt am Rande der
Allgäuer Alpen auf dem abgetrockneten Boden eines
nachwürmeiszeitlichen Gletschersees. Dieser See dehnte sich von
der Moränen- und Felsensperre östlich Haslach bis an die
Höhen westlich Wertach aus. Beiderseits begrenzt durch: im
Süden den Gebirgszug Wertacherhorn - Starzlachberg - Reutterwanne
- Alpspitze, im Norden durch die Ellegg-Höhe und die Höhen um
Oy, mit Ausläufern bis Mittelberg (Mühlbach) und
Schwarzenberg (Schwarzenberger Weiher). Ehe das Eis bei seinem
Rückgang den See zurückließ, war das Gebiet um Haslach
vom
kleinen Wertachgletscher, der vom Oberjoch herunterkam und sich im
Westen mit dem Iller-, im Osten mit dem Lechgletscher vereinigte,
bedeckt. Das Wertachbecken entstand in dieser Zeit durch Abtragung des
Bodens um ca. 50 Meter. Der vom Eis zurückgelassene Gletschersee
im heutigen Wertachbecken bahnte sich vor ungefähr 1 Million
Jahren einen Durchbruch zwischen Haslach und Maria-Rain und lief
langsam - über mehrere 100 000 Jahr hinweg - ab.
Die ersten Urkunden über menschliche Ansiedelungen hat der Boden
aus der Bronze-Zeit 2000-800 v. Chr. bewahrt. In der Eiszeit (88 v.
Chr. - Chr. Geb.) war das Land südlich der Donau keltisch. Im
heutigen Kempten war auf der Burghalde - damals noch Insel - die
Hauptburg der keltischen Estionen. Ungefähr 15 Jahre vor unserer
Zeitrechnung kamen die Römer ins Land. Sie gründeten im
südlichen Deutschland mit Teilen der Ostschweiz die Provinz
Rätien. Um die Römerstadt Cambodunum (auf Lindenberg) mit dem
Reich zu verbinden, wurde 46/47 n. Chr. die Römerstraße
Cambodunum - Reutte erbaut, die Haslach berührte und auf ihrem
Lauf nahezu vollständig verfolgt werden kann. Sie kommt von
Gschwend rechts der Staatsstraße auf einem breiten Band zur
Wertachbrücke (Fundament verm. römisch), schneidet die
Staatsstraße vor der Dohle, führt über die Dohle zu dem
noch erhaltenen Damm am Dohleweiher und über diesen hinweg zum
Stadel am Bahndamm, zur alten Kapelle und über die Höhen zum
Steinbruch am Ortseingang von Oy. Zu einem großen Teil verlaufen
noch heute die Feldwege auf dem Zug der Römerstraße, die
selbst durchschnittlich 20 cm unter dem Dogen liegt.
Die römische Herrschaft dauerte bis ins 4./5. Jahrhundert. Dann
drangen die Alemannen nach Rätien und nannten das Land Schwaben.
Die Oberherrschaft lag in den Händen der Ostgoten, die als ihre
Vertreter die alemannischen Stammesherzöge gelten ließen. Um
550 wurde Schwaben dem fränkischen Reich einverleibt. Die Franken
brachen die Macht der Stammesherzöge und brachten das
römische Christentum.
Im 12. Jahrhundert, also zu Zeiten der Staufischen Kaiser, belehnte das
Kloster zu Isny einen "ritterbürdigen" Gefolgsmann mit seinem
Besitz zu "Hasel" an der Wertach. Der Ritter errichtete sich eine Burg
auf einem mit Haselstauden bewachsenen Hügel: Hasilahi ->
Haslach. Im 15. Jahrhundert kam im Rahmen einer Gebietsübernahme
Haslach zum Hochstift Augsburg. Mit dem Geschlecht der Ritter von
Haslach war das Werden und Wachsen des Dorfes selbst eng
verknüpft. In nächster Nähe der Burg befand sich seit
deren Gründung die Burgmühle (später
Wertachmühle). Etwas mehr nach Westen, aber für die Bewohner
der Burg gut erreichbar, stand das Gotteshaus, die alte Kapelle St.
Wolfgang, die 1740 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste.
Der Anfang des eigentlichen Dorfes bestand im 14. Jahrhundert aus drei
Höfen. Das Jahr 1400 brachte die "Appenzeller Kriege", die
sich zwar nicht bis ins Wertachtal hineinzogen, das Land aber in
ungeheure Aufregung versetzten.
Inzwischen aber vergrößerte sich die Ansiedlung stetig.
Durch die andauernde Überschneidung der
Herrschaftsverhältnisse und den häufigen Wechsel der
Lehenshoheit im 15. Jahrhundert ist es schwierig eine genaue Bestimmung
von der Größe des Ortes in dieser Zeit zu geben.
In diesem Jahrhundert blühten in dieser Gegend Getreideanbau und
Handwerk. Der Anbau von Getreide muss beachtlich gewesen sein, sonst
hätte sich der Betrieb zweier Mühlen, Wertach- und obere
Eckmühle, nicht gelohnt, zumal zu diesen im 16. Jahrhundert eine
dritte Mühle (Burckhardtsmühle) hinzu kam.
Die schweren Lasten, die im 16. Jahrhundert in immer stärkeren
Ausmaßen die leibeigenen Bauern und Handwerker das Leben
verbitterten, führten 1525 zum Bauernkrieg. Aber nicht nur der
Bauernkrieg, auch die unselige Religionsspaltung des 16. Jahrhunderts
schlug ihre Wellen. Wie man weis, führten die Religionskämpfe
schließlich zum allumfassenden 30 jährigen Krieg.
Das 18. Jahrhundert stand im Zeichen grundlegender wirtschaftlicher
Umwandlungen. Durch die beginnende Industrialisierung ging das Handwerk
zurück, die Getreidewirtschaft genügte bei kargem Boden und
rauer Witterung den steigenden Anforderungen einer wachsenden
Bevölkerungszahl nicht mehr. So erfolgte die große
südschwäbische Bodenreform, deren zweiter Teil die
Einführung der Milchwirtschaft - auch hier dem Leben und der
Landschaft ein neues Gepräge gab.
Von diesen inländischen Vorgängen wurde das Land
plötzlich abgelenkt durch die der französischen Revolution
folgenden Ereignisse. 1802 kam Haslach mit dem gesamten Gebiet des
Hochstiftes Augsburg an das Kurfürstentum Baiern. Diese
Einverleibung kam durch den Verlust der linksrheinischen Gebiete
Baierns zustande für die der Napoleon Gefolgschaft leistenden
Kurfürst, spätere König Ludwig I., von Frankreich mit
Schwaben entschädigt wurde.
Nach dem siegreichen Ende der Befreiungskriege litt Haslach, wie das
ganze Land, im Jahre 1816 unter einer schweren Hungersnot.
Im Jahre 1823 bestand der Ort aus 29 Häusern, mit 146 Seelen und
der St. Wolfgans-Kapelle. Unter den Kapellen der Gemeinde Mittelberg
ist sie die schönste. Das Altarbild von Franz Anton Zeiller von
Rettenberg zeigt St. Wolfgang, Schutzpatron und Fürsprecher
für Pferd und Vieh. An den einstigen Standort der alten Kapelle
erinnert ein Gedenkstein östlich des Ortes.
Die gewaltig einsetzende Industrialisierung und die Erschließung
der Verkehrswege ergaben 1895 den Bau der Bahnlinie von Kempten nach
Reutte und des Bahnhofes Wertach-Haslach in Haslach. Die Fresken am
Bahnhof stammen vom Wertacher Maler Josef Hengge.
Der zweite Weltkrieg bescherte dem Ort einen ungeahnten, sicher nicht
ganz erwünschten, Flüchtlingszustrom der jedoch trotz
großer Schwierigkeiten bewältigt wurde.
Heute ist Haslach neben Handwerk, Gewerbe und Industrie noch immer eine
überwiegend bäuerliche Siedlung geblieben.